Rede zu digitaler Bildung in der Schule

Diese Rede finden Sie hier im Video.

Rede der Abgeordneten Dr. Claudia Maicher (GRÜNE) zum Antrag der Fraktionen CDU und SPD zum Thema: „Digitale Entwicklung in der Schule fördern“ (Drs 6/9121)
53. Sitzung des Sächsischen Landtags, 12. April, TOP 6
– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte/r Frau/Herr Präsident/in,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

für den Sozialforscher Nils Zurawski ist Überwachung heute so einfach, weil die Menschen die Erfassung von personenbezogenen Daten im Alltag nicht stört, weil es »Teil des Konsums und deshalb so unsichtbar und scheinbar normal« ist.

Die Durchdringung unseres Lebens mit digitalen Prozessen bringt neue Herausforderungen mit sich, auf die Politik Antworten geben muss. Digitale Bildung muss fester Bestandteil von Schule sein, um junge Menschen ein souveränes Leben in der digitalen Welt zu ermöglichen.

In den Zielen digitaler Bildung finden sich die Ziele von Medienbildung wieder, ebenso wie der Einsatz digitaler Medien als Unterrichtsmedien. Beides muss man nicht neu erfinden. Manchmal braucht es vielleicht einen neuen Begriff, um Schwung in eine Sache zu bringen. Das geht für mich in Ordnung, solange die grundsätzliche Anliegen nicht verkürzt werden.

Digitalisierung betrifft zudem immer mehr Lebensbereiche. Bald wird durch das ‚Internet der Dinge‘ und künstliche Intelligenz beinahe jede Alltagshandlung über Kleidung, in der Wohnung oder am Arbeitsplatz messbar. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Wer eine Abwägung treffen will, braucht jedoch eine digitale Bildung.

Damit digitale Bildung mit all diesen Aspekten zum Normalfall in unseren Schulen wird, ist ein Konzept notwendig. Der vorliegende Antrag zielt auf ein solches Konzept und umfasst dafür wesentliche Inhalte. Auch wenn wir zum Teil andere Akzente setzen, werden wir dem Antrag zustimmen.

Ich will seitens der GRÜNEN-Fraktion einige Hinweise mitgeben:

Das Kultusministerium unter Brunhild Kurth hat lange Zeit seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Es gibt derzeit kein aktuelles Konzept zur breiten Verankerung von Medienbildung. Als wir dies in unserem GRÜNEN Antrag im Jahr 2014 gefordert haben, hat das SMK abgewunken. Jetzt kommt 2018 ein unterfinanziertes Pilotprojekt und die Koalitionsfraktionen haben das SMK zu einer Gesamtstrategie zur Medienbildung aufgefordert.

Seit September 2016 erarbeitet eine Expertengruppe für das SMK eine Konzeption ‚Medienbildung und Digitalisierung in der Schule‘, so steht es in der Stellungnahme zum aktuellen Antrag der Fraktion DIE LINKE.

Im Punkt 1 des Antrages werden nun wichtige Leitplanken für diese Konzeption des SMK aufgestellt. Eine Gesamtstrategie zur Medienbildung in Sachsen erübrigt sich jedoch damit nicht.

Sicher wird Frau Staatsministerin Kurth erläutern können, in welchem Verhältnis das schulbezogene zum allgemeinen Konzept stehen soll.

Im Punkt 1. h) wird der Fokus der Koalitionsfraktionen auf das Fach Informatik deutlich. Zwar werden hier wichtige Grundkenntnisse zum Beispiel über Algorithmen vermittelt, aber informatische Bildung allein ist noch keine digitale Bildung.

Die KMK-Strategie von 2016 stellt fest, dass die Einbindung der digitalen Welt in jedem Fach notwendig ist. Nur so ist sichergestellt, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur etwas über Algorithmen auf Facebook lernen, sondern sich auch mit der Macht von Facebook auseinandersetzen.

In Punkt 2 wird die Förderung der technischen Ausstattung an schuleigene Konzepte für deren Einsatz geknüpft. Der Antrag soll die »Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft« von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka auf Ebene des Freistaates ergänzen.

Richtig ist hier, dass methodisch-didaktische Konzepte notwendig sind. Schulen sollten dabei aktiv unterstützt werden und müssen auch personale und organisatorische Voraussetzungen erbringen können.

Zur Ausstattung gehört auch die Wartung und Erneuerung der Technik, wofür die Kosten langfristig eingeplant werden sollten.

In Punkt 3 wird richtigerweise die Stärkung und Verbindlichkeit von Digitaler Bildung in der Lehrerbildung gefordert. Das halte ich für einen ganz zentralen Punkt. Denn ohne medienpädagogische Kompetenzen wäre eine moderne Ausstattung nur teurer Schmuck.

Punkt 4 behandelt die Notwendigkeit schneller Internetanschlüsse, ist aber recht unverbindlich. Denn die Schulen sind vom allgemeinen Breitbandausbau abhängig und die Antragsteller in den Ausbaugebieten muss man sicher nicht daran erinnern, Schulen mit zu berücksichtigen. Auch die Zielstellung ist zaghaft angesetzt. Schon heute kann ein Anschluss mit 50 MBit zu langsam sein, wenn mehrere Klassen gleichzeitig das Netz nutzen. Dazu bräuchte es eher 500 MBit wie Professor Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz gegenüber der Freien Presse geschätzt hat.

Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir hoffen dass dieser Antrag Bewegung aufseiten der Staatsregierung nach sich zieht, bei den technischen Fragen ebenso wie bei Fragen von Qualifizierung, organisatorischer Unterstützung und Kooperation.

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