Jugendkunstschulen als Akteure der kulturellen Bildung in Sachsen stärken

Redebeitrag der Abgeordneten Dr. Claudia Maicher (BÜNDNISGRÜNE) zum Antrag der Fraktionen CDU, BÜNDNISGRÜNE, SPD „Stärkung von Jugendkunstschulen als Akteure der kulturellen Bildung in Sachsen voranbringen“ Drs. 7/9600

49. Sitzung des 7. Sächsischen Landtages, Mittwoch, 4.5.2022, TOP 8

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen,

mit dem vorliegenden Antrag der Koalitionsfraktionen ist auch eine neue Stufe der Anerkennung einer Bewegung kultureller Bildung verbunden. Einer Bottom-up-Bewegung, wenn Sie so wollen, die in Sachsen einen markanten Ausgangspunkt hatte.

Im Jahr 1967 wurde im sächsischen Oederan die erste Jugendkunstschule in Deutschland gegründet, als sogenannte Volkskunstschule unter anderem nach dem Vorbild tschechischer Volkskunstschulen. Kurz darauf, 1968 und 1969, folgten Gründungen in Wesel und Wuppertal in Nordrhein-Westfalen. In Oederan hatten sich Kunstschaffende und Kunstinteressierte zu Zirkeln und Arbeitsgruppen zusammengeschlossen, in denen die Jugend an Holzgestaltung, Malerei und Grafik herangeführt werden sollte. Es wurden Begabte nach Lehrplänen gefördert. Seit den 1990er Jahren ging es verstärkt auch darum, breiten Schichten der Bevölkerung einen Zugang zur bildenden Kunst zu ermöglichen. Der Grundgedanke ist seitdem, dass sie Kunst als Mittel entdecken, um am Gemeinwesen mitzuwirken und um das eigene Leben schöpferisch zu gestalten.

Im Ländervergleich gehört der Freistaat Sachsen heute nicht zu den Vorreitern bei der Förderung der Jugendkunstschulen. In den meisten anderen Bundesländern werden sie landesseitig regulär mitfinanziert. Die Jugendkunstschul-Bewegung hat aber auch hier in Sachsen wieder Fahrt aufgenommen. Einzelne Einrichtungen gibt es schon länger, sie sind aber neben Oederan vor allem in Dresden und Leipzig verortet. Weitere Angebote werden seit einigen Jahren aufgebaut, zum Beispiel in Torgau, Frankenberg oder Naunhof. Es gibt auch ganz neue Initiativen zum Aufbau einer Jugendschule, etwa in der Oberlausitz. Und auch einige Musikschulen wollen ihr Profil zur Musik- und Kunstschule erweitern, z.B. in Görlitz, wo bereits eine Pilotphase erfolgreich läuft.

Hinter all diesen Bestrebungen steht das Anliegen, dass die Vermittlung der Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen und Kompetenzen feste Strukturen und professionelle Angebote vor Ort braucht. Jugendkunstschulen erweitern die Teilhabe insbesondere von Kindern und Jugendlichen an der kulturell-ästhetischen Bildung im Bereich Bildende Kunst, aber auch in den Bereichen Theater, Tanz, Medienkunst oder Literatur. Darin liegt ein besonderer Mehrwert.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
bisher sind solche vielfältigen Angebote vor allem in unseren ländlichen Regionen noch Mangelware. Wir BÜNDNISGRÜNE wollen die Jugendkunstschulen deshalb als wichtige Partner in unserer kulturellen Bildungslandschaft stärken, ihre Strukturen und Regelangebote ausbauen und verlässlich mitfinanzieren. Diese zusätzlichen Angebote stellen einen wichtigen Baustein im Rahmen der Gesamtentwicklung der kulturellen Bildung in Sachsen dar. Entsprechend der Ziele des Landeskonzeptes Kulturelle Bildung schaffen wir damit in einem weiteren Segment verlässliche Rahmenbedingungen und fördern gezielt den Strukturaufbau außerschulischer Partner.

Mir ist wichtig, dass wir dabei die unterschiedliche Ausgangslage der Einrichtungen oder Initiativen beachten. Eine weitgehend einheitliche Ausrichtung wie die Musikschulen, haben Jugendkunstschulen in Sachsen und auch im bundesweiten Vergleich nicht. Idealerweise finden sich „alle Künste unter einem Dach“. In Sachsen bilden aber häufig auch die Bildende und angewandte Kunst den Anfang. Eine Erweiterung der Spartenvielfalt wird angestrebt.Gemeinsam ist den Jugendkunstschulen, dass sie sowohl Begabtenförderung als auch Breitenbildung anbieten. Sie können den Weg zu einer professionellen Kunstausbildung bereiten, haben aber grundsätzlich ein ganzheitliches Bildungsverständnis und eröffnen verschiedenen Zielgruppen Zugänge zur Kunst. Deshalb gibt es in der Regel sowohl wöchentlichen Unterricht als auch Projekte, Sommerkunstcamps, Ferienateliers, etc..

Was genau wollen wir durch den Aus- und Aufbau von Jugendkunstschulen erreichen? Es sollen mehr Angebote auf hohem Qualitätsniveau verfügbar werden. Dabei sollen je nach Ausgangslage schrittweise weitere Kunstsparten aufgestellt werden. So ist in Naunhof ausgehend vom Kinderkunstatelier die Bildende Kunst schon stark aufgestellt. In Frankenberg ist die Musikausbildung schon etabliert, Film und Fotografie, Malerei und Graffiti kommen neu dazu.Der landesweite Aufbau erfordert aus unserer Sicht auch Neugründungen, damit für Kinder und Jugendliche insbesondere im ländlichen Raum Angebote besser erreichbar sind. Neugründung heißt dabei nicht gleich, ein großes Haus aufzumachen. Zunächst kommen zu einen bestehenden Team professioneller Kulturpädagoginnen und -pädagogen weitere Profis aus andern Sparten dazu und kreieren ein gemeinsames Programm.

Ich möchte an dieser Stelle den Fachverbänden, allen voran der LKJE (dem Fachverband der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen in Sachsen) herzlich dafür danken, dass sie die Initiativen in Sachsen bei diesem Aufbau tatkräftig unterstützen.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
für einen echten strukturellen Fortschritt braucht es eine Unterstützung des Freistaates. Im Doppelhaushalt 2021/22 haben wir als Koalition deshalb erstmals eine gesonderte Förderung von Jugendkunstschulen ermöglicht. Mit dem vorliegenden Antrag stellen wir die Grundsätze für eine nachhaltige, strukturell wirksame Förderung auf und bitten die Staatsregierung, die Richtlinie Kulturelle Bildung entsprechend anzupassen.

Gefördert werden sollen zielgruppengerechte, langfristig ausgerichtete Angebote, basierend auf klaren Entwicklungskonzeptionen, künstlerischen und pädagogischen Qualitätsstandards und fachlichen Qualifikationen. Es sollen Kooperationen mit anderen Bildungseinrichtungen intensiviert werden. Gemeinsam mit den Landesfachverbänden soll die Staatsregierung einen landesweiten Prozess zur qualitativen Weiterentwicklung einleiten und begleiten.

Diese Weiterentwicklung liegt auf mehreren Ebenen: der konzeptionellen, der fachlichen und der strukturellen Ebene. Damit sind somit verschiedene Aufbauleistungen verbunden: die Konzeption eines spartenübergreifenden oder interdisziplinären Profils, eine dauerhafte Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die Ansprache neuer Teilnehmergruppen, das Ausprobieren von neuen Angebotsformen und Methoden, der Aufbau interner Strukturen, die Gewinnung von Drittmitteln etc. pp.Weil all das nicht einfach nebenbei und ohne weitere Unterstützung geleistet werden kann, wollen wir auch gezielt die Beratung, Fortbildung und Koordination fördern. So ist es im letzten Antragspunkt zu lesen.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
mit diesem Antrag setzen die Koalitionspartner einen weiteren Meilenstein zur Stärkung der kulturellen Bildung in ihrer ganzen Breite um. Ich bitte Sie herzlich um Zustimmung.

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