75 Jahre Tag der Befreiung

75 Jahre liegt heute das Kriegsende in Deutschland zurück. Aufgrund von Corona können die Gedenkfeierlichkeiten mit Überlebenden und Zeitzeugen, die uns aus eigener Erfahrung daran erinnern, wie wichtig Zivilcourage und gemeinsames öffentliches Eintreten für Demokratie und Weltoffenheit ist, in diesem Jahr bedauerlicherweise nicht stattfinden.

Umso bedeutsamer ist es am heutigen Tag der Befreiung den Opfern der NS-Diktatur zu gedenken. Auch im Leipziger Westen wohnten viele Menschen, die verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Auf der Zschocherschen Straße, wo ich heute mein Abgeordnetenbüro habe, lebte Irma Rosenhein mit ihrem Mann Walter und ihrer Tochter Bertel. Das Ehepaar führte in der Hausnummer 87 ein Schreib- und Papierwarengeschäft. Nach den Novemberpogromen sah sich das Paar gezwungen, seine Tochter in einem der rettenden Kindertransporte nach England zu evakuieren. Walter verstarb kurz darauf nach schwerer Krankheit. Irma wurde gezwungen in das „Judenhaus“ am Nordplatz umzuziehen, was sie nicht daran hinderte einem Pflegekind ein neues Zuhause zu geben. Am 21. Januar 1942 wurde sie mit dem ersten Deportationszug aus Leipzig in das KZ Riga deportiert, wo sie im September 1943 ermordet wurde. Sie wurde 48 Jahre alt.

Die Stolpersteine erinnern uns an die einzelnen Schicksale und daran, dass wir nicht vergessen dürfen, wohin aktueller Antisemitismus, Rassismus und Intoleranz führen können.

Verwandte Artikel