Video und Bericht: Kulturgespräch – Perspektiven und Visionen

 

Die Corona-Pandemie berührt fast alle Bereiche unseres Lebens. Besonders hart trifft es die Kultur, denn das Infektionsgeschehen lässt seit Monaten, für manche Branchen sogar bald ein Jahr, keine Veranstaltungen zu, bei denen Menschen zusammenkommen. Finanzielle Hilfen gehen oft an der Lebensrealität von Künstlerinnen und Künstlern vorbei.
Gestern habe ich im Instagram-Gespräch mit der Präsidentin des sächsischen Kultursenats und Leiterin des Museums Westlausitz, Friederike Koch-Heinrichs, erörtert, welche Perspektiven der Haushaltsentwurf für den Doppelhaushalt 2021/22 für die Kultur eröffnet. Wir haben zudem einen Blick auf die aktuellen Probleme, aber auch in die Zukunft geworfen.

Zur Einordnung der Dimension: Die Staatsbetriebe, deren Träger der Freistaat ist, erhalten im Jahr 2021 168,1 Mio Euro, im Jahr 2022 174,6 Mio Euro. Für die ganze weitere Kultur im Land sind im Jahr 2021 123,5 Mio Euro und im Jahr 2022 212 Mio Euro vom sächsischen Kulturministerium eingeplant. Zur Zeit finden intensive Beratungen und Verhandlungen über den Doppelhaushaltsentwurf in den Fachausschüssen des Sächsischen Landtags statt, bevor er im Mai im Landtag beschlossen werden soll.

Friederike Koch-Heinrichs Urteil über den Entwurf des Doppelhaushaltes fiel gemischt aus. Sie begrüßte die Kontinuität des Etats bei den staatlichen Einrichtungen und Förderprogrammen. Auf der anderen Seite bemängelte sie u.a. Kürzungen beim Projekt Künstler*innennachlässe, dem Programm zur Förderung von Chancengleichheit und vor allem bei Mitteln der Förderung von Kulturräumen im ländlichen Raum. Der Investitionsstau in strukturschwachen Regionen erhöhe sich weiter und führe zu einer Manifestierung einer zwei-Klassen-Gesellschaft, auch aufgrund der starken Gehaltsunterschiede für Künstler*innen zwischen Stadt und Land.

Gemeinsam sprachen wir auch über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den sächsischen Kulturbetrieb. Prekär beschäftigte Künstler*innen, insbesondere (Hybrid-) Selbstständige seien durch die Krise besonders gefährdet. Durch die Pandemie stehe der Szene ein unvermeidlicher „personeller Aderlass“ bevor, so Koch-Heinrichs, deren Auswirkungen in den nächsten Jahren stark spürbar werde.

Beim Thema Digitalisierung waren wir uns einig, dass durch die Schließungen viele neue, kreative Formate erprobt wurden. Zur Zeit fehlt es jedoch noch an langfristigen Strategien und Konzepten und vor allem an einer finanziellen Digitalisierungsoffensive im Kulturbereich über Corona hinaus. Digitale Museums- oder Theaterbesuche z.B. können ein Instrument sein, Schwellen abzubauen und sollten als ergänzende Angebote auch langfristig bereitstehen.

Am Wichtigsten seien für die Kulturbranche jetzt verlässliche Öffnungsszenarien und bundesweit einheitliche Regelungen. Hygienekonzepte seien nach einem Jahr Konzeption und zwischenzeitlicher Erprobung sehr wirksam. In vielen Kultureinrichtungen sei es zudem gut möglich Besucherströme verlässlich zu lenken, so Koch-Heinrichs.

Die Pandemie hat zumindest eines im Kulturbereich erreicht – dass nicht mehr NICHT über Kultur gesprochen wird. Dieses Momentum gilt es auch für die Zeit nach den Öffnungen zu erhalten.

 

Verwandte Artikel