Rede zur Situation und Perspektive der Lehramtsausbildung an sächsischen Hochschulen

Diesen Redebeitrag finden Sie auch hier im Video.

Redebeitrag der Abgeordneten Claudia Maicher zum Antrag der Fraktion Die Linke:
„Situation und Perspektive der Lehramtsausbildung an sächsischen Hochschulen“
20. Sitzung des Sächsischen Landtags, 17. September 2015, TOP 3

– Es gilt das gesprochene Wort –

 

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren,

wenig andere Themen können mit solcher Zuverlässigkeit die Gemüter erregen, wie die schulische Bildung im allgemeinen und die Lehrerversorgung im Besonderen. Das ist verständlich, denn es gibt wenige, die es nicht betrifft, wenn Unterricht in Massen ausfällt, Klassen zum Bersten gefüllt sind oder Fremdsprachenunterricht per Losentscheid zugeteilt wird.

Bemerkenswerterweise wird die Diskussion um fehlende Lehrerinnen und Lehrer allerdings meistens nur zahlenmäßig geführt. Dabei gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Lehrermangel und der Qualität der Lehramtsausbildung. Das heißt nicht, dass Zahlen nicht relevant wären. Schon zu Zeiten, in denen die Staatsregierung noch Lehramtsstudiengänge schließen wollte, hat meine Fraktion gefordert, die bestehenden Kapazitäten nicht ab- sondern auszubauen.

2011 ist die Staatsregierung diesem Ansinnen endlich gefolgt und hat mit dem Bildungspaket 2020 die Aufstockung der Lehramtsausbildungskapazitäten beschlossen und – auch das eine alte Forderung von uns – das Lehramt an der TU Chemnitz wieder eingeführt.

Das Problem ist nur: Wir können die Lehramtsausbildungskapazitäten ausweiten, so viel wir wollen. Wenn die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen, bringt uns das schönste Bildungspaket herzlich wenig.

Die Rolle rückwärts unter schwarz-gelb war nicht hilfreich. Die Reduzierung der Ausbildungslänge für Grund- und Oberschulen haben nicht gerade dazu beigetragen, die Attraktivität dieser Lehrämter zu steigern. Im Ergebnis sehen wir, dass das Gymnasium nach wie vor der absolute Favorit bei den angehenden Lehrerinnen und Lehrern ist. Immerhin erfährt dieses Lehramt sowohl bei der Ausbildung als auch der Vergütung mit die größte Wertschätzung.

Und wer gedacht hat, dass mit der Wiedereinführung des Staatsexamens die Qualität des Studiums steigt, der muss sich nur die Absolventenstudie vom April dieses Jahres anschauen. Überdurchschnittlich hoch ist dort die Unzufriedenheit mit dem Studium ausgerechnet bei den Lehramtsstudierenden.

In diesem Zusammenhang ist es natürlich bezeichnend, dass die Staatsregierung nach wie vor keine Aussagen dazu machen kann, wie viele Lehramtsstudierenden ihr Studium nicht erfolgreich zu Ende führen. Dabei wäre es grade hier entscheidend zu wissen, wie viele junge Menschen wir verlieren und – was noch viel wichtiger ist – warum?

Liegt es nur an der Studienorganisation, liegt es an zu wenig Praxis, oder wissen viele am Anfang ihres Studiums einfach nicht, was auf sie zukommt? Kurz gesagt: Es reicht nicht, einfach nur die Studienkapazitäten zu erhöhen, die Lehramtsausbildung an sich muss auf den Stand der Zeit gebracht werden.

Meine Fraktion hat bereits in der letzten Legislatur einen detaillierten Vorschlag für ein Lehrerbildungsgesetz gemacht. Wir wollen weg von der Schulartenausbildung, eine verbindliche Orientierungsphase zu Beginn des Studiums und weit mehr Praxis.

Wenn wir also über die Perspektive der Lehramtsausbildung sprechen, wie es der Antrag verlangt, dann geht es nicht nur um Zielzahlen und Fächerkombinationen, dann müssen wir auch über die Ausbildung und die Ausbildungsqualität sprechen. Wir werden in dieser Legislatur einen neuen Vorschlag für ein Lehrerbildungsgesetz unterbreiten.

Aber – und auch das gehört zur Wahrheit – ohne Ressourcen und Planbarkeit geht es nicht. Statt ständig zeitlich befristete Projekte aufzulegen, muss die Staatsregierung die Lehramtsausbildung als Aufgabe verstehen, der es sich langfristig zu verschreiben gilt.

Die Situation an der TU Chemnitz ist ein trauriges Beispiel, was passiert, wenn bei der Lehramtsausbildung auf Sicht gefahren wird. Der Großteil der Lehrstühle ist nicht besetzt. Das ist ja auch kein Wunder, wenn dem Bildungspaket 2020 – wie der Name schon sagt – von Anfang an ein Verfallsdatum anhängt. Auf dieses Risikospiel muss sich kein Hochschullehrer einlassen, denn Lehramtsausbildung ist auch in anderen Bundesländern wichtig.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir erkennen an, dass Antrag der LINKEN endlich für langfristige Sicherheit und Planbarkeit für die drei Universitäten mit Lehramtsausbildung sorgen möchte. Darüber hinaus finden wir es richtig, dass die Umsetzung des Bildungspaketes 2020 auf mehreren Ebenen untersucht wird. Diese Erkenntnisse brauchen wir, wenn wir die Lehramtsausbildung in Sachsen in das 21. Jahrhundert holen möchten. Wir werden dem Antrag daher zustimmen.

Vielen Dank.

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