Rede zur Erarbeitung eines landesweiten Konzepts zur kulturellen Bildung

Diesen Redebeitrag finden Sie auch hier im Video.

Redebeitrag der Abgeordneten Claudia Maicher zum Antrag der Fraktion CDU und SPD:
„Kulturelle Bildung in Sachsen starten“ (Drs. 6/2781)
24. Sitzung des Sächsischen Landtags, 20. November 2015, TOP 6

– Es gilt das gesprochene Wort –

 

Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die GRÜNE-Fraktion begrüßt es ausdrücklich, wenn die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD die kulturelle Bildung in Sachsen voranbringen wollen.

Der Antrag der Koalitionsfraktionen ist eine Erinnerung an ihre eigene Staatsregierung. Sie soll einen Auftrag aus dem Koalitionsvertrag umsetzen, den sie sich ja ohnehin gegeben hat. Und sie hat auch längst damit begonnen. Aber wenn dies dem Anliegen Schwung verleiht, dann diskutieren wir das heute natürlich gerne.

Anträge der Opposition zu Themen, die auch im Koalitionsvertrag stehen, bei denen sich die Staatsregierung aber um loszugehen erst einmal die Schuhe anziehen müsste, stellen die Koalitionsfraktionen ja meist als überflüssig dar. Begründet wird das damit, dass die Staatsregierung keine Erinnerung bräuchte und doch schon längst am Arbeiten sei.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU- und SPD, bitte lassen sie doch dieses doppelte Spiel und arbeiten sie auch Anregungen der Opposition konstruktiv ein. Dazu möchte ich sie gerne einladen.

Im Unterschied zur Koalition lehnen wir GRÜNE Anträge nicht einfach ab, nur weil sie nicht aus den eigenen Reihen kommen, sondern wirken mit, wenn wir die Sache richtig finden. Daher werden wir Ihrem Antrag heute zustimmen.

Für der Erarbeitung des landesweiten Konzeptes möchte ich Kunstministerin Dr. Stange gerne noch einige Anregungen mit auf den Weg geben, die ich bei vielen Gesprächen im Sommer diesen Jahren mit in den sächsichen Kulturräumen mitgenommen habe.

I.
Richtig ist im Antrag die Zusammenarbeit von Schulen und KiTas mit Kultureinrichtungen und Künstlerinnen. Das ist eine Schlüsselaufgabe. Bei Besuchen in Kultureinrichtungen oder freiwilligen Zusatzangeboten in der Schule ist es jedoch ganz wichtig, die Lehrkräfte so einzubeziehen, dass sie Ihre Schülerinnen und Schüler nicht nur ‚abgeben‘ müssen, sondern kulturelle Bildung auch enger an Unterricht und Lehrpläne anbinden können. Erst so finden Kultur und Schule zusammen. Das zieht viele praktische Schritte nach sich, wie sie dies beispielsweise mit Bezug auf Aus- und Fortbildung richtig aufgeschrieben haben.

II.
Die Vernetzung der Partner ist enorm wichtig, um das Konzept für die vielfältigen Ansätze und Orte Kultureller Bildung fruchtbar zu machen. Die Fragen, die sich hier anschließen sind erstens: Gelingt es auch, die beteiligten Ministerien enger und konkreter zusammenzubinden, als dies bisher der Fall war?

Und zweitens: Was ist die Umsetzung ihrer Forderung „bestehende Kooperationsstrukturen nachhaltig zu stärken und ausbauen“? Nach Auftaktveranstaltungen wird es eine organisatorische Lösung geben müssen, wie die Vernetzung immer wieder produktiv werden kann. Sonst verfliegt ihre Initiative wieder.

Diese organisatorisch-strukturellen Fragen dürfen nicht erst am Schluss geklärt werden. Zeigen Sie den Partnern, die ja auch noch andere Aufgaben als kulturelle Bildung haben, jetzt schon auf, wo die Reise hingehen soll. Denn je nachdem, wie dieser Rahmen abgesteckt ist, werden sie die Machbarkeit von Zielen und Vorhaben eines Konzeptes einschätzen.

Andere Bundesländer haben zu diesem Zweck Landesbüros. Ich bitte darum, diese Möglichkeit ins Auge zu fassen.

III.
Wichtige Punkte im Antrag sind die Qualität und Wirksamkeit der Angebote. Hier halte ich es für eine Grundregel, dass die Angebote an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen wie auch von Erwachsenen ausgerichtet werden. „Audience Development“, also die Gewinnung neuen Publikums, ist eine Herausforderung für viele Kultureinrichtungen. Aber die Lernziele kultureller Bildung richten sich eben nicht danach, wie bestehende Angebote schmackhaft gemacht werden können. Hier geht es um pädagogische Fragen und darum, kulturelle Bildung an Lebenswelten anzuknüpfen.

Deshalb rate ich dringend dazu, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund umzusetzen – auch schon bei der Erstellung des Konzeptes. Fragen Sie sie doch einfach, wo und wie sie ihre Themen und Lebensfragen vertiefen wollen und was ihnen Literatur, Computerspiele oder Theater dabei bedeuten. Sie werden sehen, dann stellt sich nicht mehr so sehr die Frage, ob das eine dem anderen das Publikum wegnimmt.

IV.
Zu guter Letzt noch ein Hinweis zur Verankerung in den Kulturräumen. Wenn durch eine Novellierung des Kulturraumgesetzes und ein Landeskonzept selbstverständlich wird, dass die Netzwerkstellen nicht nur über prekäre Beschäftigung betrieben werden müssen und dass sie handlungsfähige Partner auf Seiten des Schulsystems bekommen, würde das die kulturelle Bildung in den ländlichen Räumen ganz entscheidend stärken.

Wir unterstützen diese Anliegen und den Antrag. Herzlichen Dank.

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