Zeitdruck bei der Erarbeitung und Einführung neuer Lehrpläne ist kontraproduktiv

Pressemitteilung Nr.: 151/2019
Datum: 26.06.19

Dresden. Zur Vorstellung der überarbeiteten Lehrpläne durch Kultusminister Christian Piwarz (CDU) erklärt Claudia Maicher, Abgeordnete der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Erklärtes Ziel der Lehrplanüberarbeitung war die Stärkung der politischen Bildung. Ob dieses Ziel erreicht wird, bleibt mit Blick auf die Details fraglich. So wird zwar das Fach Gemeinschaftskunde künftig ab Klassenstufe 7 unterrichtet. Dafür können es die Schülerinnen und Schüler in der 10. Klasse der Oberschule aber auch wieder abwählen, zu Gunsten von Geschichte oder Geographie. Die zwei neuen Wochenstunden Gemeinschaftskunde – je eine in den Klassenstufen 7 und 8 – kämen in diesem Fall nicht hinzu, sondern würden einfach die zwei Wochenstunden in Klasse 10 ersetzen.“

„Insgesamt ist die Beteiligung von Fachkräften und Verbänden bei der Kürzung der Stundentafel und der Überarbeitung der Lehrpläne zu kurz gekommen. Das zeigen der Protest des Sportlehrerverbands ebenso wie zahlreiche Zuschriften und Gespräche. So gab es Beschwerden, dass Fachberaterinnen und -berater die neuen Lehrpläne erst in Fortbildungen in den Sommerferien oder zu Beginn des neuen Schuljahres ‚präsentiert‘ bekommen sollen. Ein solcher Zeitdruck bei der Erarbeitung und Einführung neuer Lehrpläne ist kontraproduktiv.“

„Ich halte die sächsischen Lehrpläne insgesamt für zu starr und zu detailliert. Wenn kleinteilig aufgelistet wird, was in welchem Zeitraum vermittelt und Einzug in die Köpfe der Schülerinnen und Schüler halten soll, geht das am Leben und Lernen junger Menschen vorbei. Wir GRÜNE setzen uns weiterhin für kompetenzorientierte Rahmenlehrpläne ein, die sich an den bundesweiten Bildungsstandards orientieren. Das schafft mehr pädagogischen Freiraum für Schulen und Lehrkräfte, um individuelle Interessen und Kompetenzen sowie sozialen Zusammenhalt zu fördern.“

„Kultusminister Piwarz zäumt das Pferd von hinten auf. Erst wurde die Stundentafel gekürzt, dann wurden die Lehrpläne überarbeitet. Aus meiner Sicht sollte es erst um Inhalte gehen und danach um die dafür nötigen Stunden. Bei der jetzt gewählten Reihenfolge fällt es schwer zu glauben, dass inhaltliche Fragen handlungsleitend waren – und nicht der Lehrermangel.“

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