Trotz Lehrermangel − Lehramtsausbildung in Sachsen für nur drei Jahre gesichert

Pressemitteilung 2016-228

Dresden. Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Sachsen ist nur für drei Jahre abgesichert. Das ergab eine kleine Anfrage der hochschulpolitischen Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, Dr. Claudia Maicher.

„Der Anfang des neuen Schuljahres offenbart das jahrelange Versagen der CDU-geführten Staatsregierung. Es gibt viel zu wenig neue Lehrerinnen und Lehrer, dafür Unmengen Seiteneinsteiger. Statt aber aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die Lehramtsausbildung zu stärken, fährt die Staatsregierung weiter auf Sicht.“

„Die Staatsregierung weigert sich, die Ausbildung der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer auf eine verlässliche Grundlage zu stellen. Stattdessen gibt es das Bildungspaket Sachsen 2020, aus dem knapp 41 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse gestemmt werden sollen. Allerdings wird dieses Paket durch Bundesmittel finanziert, die spätestens 2020 auslaufen werden. Das ist seit Jahren bekannt, entsprechend sind auch die Sonderzielvereinbarungen zum Lehramt nur bis Ende des Jahres 2020 befristet. Beschäftigungsverhältnisse, die nur für drei Jahre oder sogar weniger finanziert sind, sind das Ergebnis. Solche kurzen Vertragslaufzeiten sind schon bei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen ein Problem. Aber wie viele Hochschullehrer werden dem Ruf auf eine solche Stelle folgen oder zumindest nicht gleich wieder gehen, sobald sich eine attraktive Stelle auftut? So bekommen wir das Problem unbesetzter Lehrstühle nicht in den Griff. Die negativen Erfahrungen mit den Professuren im Grundschullehramt an der TU Chemnitz haben das deutlich gezeigt.“

„Die Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange (SPD) scheint auf einen wundersamen Rückgang der Schülerzahlen zu hoffen. Wie es zum Beispiel mit der Lehramtsausbildung an der TU Chemnitz nach 2020 weitergehen soll, will sie tatsächlich erst im März 2020 vereinbaren. Auch alle anderen Stellen, die aus dem Bildungspaket 2020 finanziert werden, werden ab dem Jahr 2020 abgebaut. Wer dann noch auf den Stellen beschäftigt ist, muss in den Stellenplan der Hochschulen übernommen werden. So steht es im Doppelhaushalt und darüber wird in den anstehenden Verhandlungen zu reden sein. Dass die nach den Kürzungsrunden der letzten Jahre für so etwas keinen Spielraum mehr haben, scheint die Ministerin nicht zu interessieren.“

„Der Bedarf an voll ausgebildetem Lehrpersonal wird Sachsen noch über Jahre in Atem halten. Es wird endlich Zeit, dass die Staatsregierung aufhört auf das Gegenteil zu hoffen. Die Ausbildung neuer Lehrerinnen und Lehrer ist eine Daueraufgabe und muss auch dauerhaft finanziert sein. Die Hochschulen, die Studierenden, die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern brauchen Verlässlichkeit. So könnte in Sachsen auch mal wieder ein Schuljahr ohne Katastrophenmeldungen zum Lehrpersonal starten. Und das wäre wirklich mal eine angenehme Abwechslung“, erklärt die Abgeordnete abschließend.

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Antwort von Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange (SPD) auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Claudia Maicher (GRÜNE) ‚Zukünftige Absicherung der Lehramtsausbildung an sächsischen Hochschulen‘ (Drs 6/5599)

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