Schuljahresbeginn 2015/16 – Alles in trockenen Tüchern? Mitnichten!

Pressemitteilung 2015-278

Dresden. Zum Stand der Schuljahresvorbereitung 2015/16 erklärt Dr. Claudia Maicher, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Ich bin nach der heutigen Pressekonferenz von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) nicht überzeugt, dass das neue Schuljahr gut vorbereitet ist und ‚reibungslos‘ starten wird. Das Problem des Lehrermangels ist nicht gelöst, sondern wird sich weiter verschärfen.“

„Zu zögerlich agieren Staatsregierung und Kultusverwaltung bei der schulischen Integration von Kindern von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Zwar ist Sachsen hier konzeptionell gut aufgestellt, doch wird viel zu langsam auf den Anstieg der Zahl der Geflüchteten und Asylsuchenden reagiert.“

„Ich freue mich, dass nun endlich eine GRÜNE Forderung aus den letzten Haushaltsverhandlungen aufgegriffen wird: die Aufstockung der Fortbildungskapazitäten für das Fach ‚Deutsch als Zweitsprache‘. Die Ressourcen, die im Haushalt für die schulische Integration bereitgestellt wurden, werden trotz Nachbesserungen kaum ausreichen. Ich erwarte, dass hier bei Bedarf unverzüglich nachgesteuert wird. Das gilt für Lehrerstellen ebenso wie für Beratungsleistungen oder die Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte.“

„Unterrichtsausfall, fachfremde Vertretungen und Abordnungen von Lehrkräften bleiben auch im nächsten Schuljahr leider an der Tagesordnung. 36 Stellen konnten trotz aller Werbemaßnahmen nicht besetzt werden. Was Ministerin Kurth als ‚Einstellungsflexibilität‘ zu verkaufen versucht, ist in Wahrheit ein Alarmsignal. Schon jetzt gelingt es nicht mehr, ausreichend Fachkräfte für die offenen Stellen zu gewinnen und in Sachsen zu binden.“

„Inzwischen wird jede fünfte Lehrerstelle mit einem Seiteneinsteiger besetzt. Was im Einzelfall, etwa an berufsbildenden Schulen, funktionieren kann, ist als flächendeckende Lösung ungeeignet. Alle Unterstützungsleistungen der Kultusverwaltung für schulartfremd eingesetzte Lehrkräfte und Seiteneinsteiger können ein grundständiges Lehramtsstudium nicht ersetzen. Ministerin Kurths Hinweise auf die ‚Ausnahmesituation‘ mit vielen Flüchtlingskindern und einem leer gefegten Arbeitsmarkt können nicht davon ablenken, dass so der Mangel verwaltet wird.“

„Auch künftig setzt sich die Schieflage bezüglich der Schularten fort. An den Hochschulen strebten 2014 rund 44 Prozent der Studierenden das Lehramt Gymnasium an, dagegen nur jeder Zehnte das Lehramt Sonderpädagogik. Eine Zukunft als Oberschullehrer konnten sich, der Studienwahl zu urteilen, nur rund 14 Prozent der Studierenden vorstellen. Gerne hätte ich mir einen genauen Überblick auch zur Fächerwahl verschafft. Doch was in der letzten Legislatur – auf Anfrage der SPD – noch minuziös aufgelistet wurde, blieb nun mit Verweis auf datenschutzrechtliche Bedenken unbeantwortet.“

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‚Lehramtsstudierende in Sachsen‘ (Drs 6/1750): Antwort der Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) auf meine Kleine Anfrage

Hintergrund: ‚Lehramtsausbildung in Sachsen zum Wintersemester 2012/13‘ (Drs 5/10932): Antwort auf die Kleine Anfrage von Holger Mann (SPD)

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