Rede zur Lehramtsausbildung an der TU Chemnitz

Redebausteine der Abgeordneten Dr. Claudia Maicher (GRÜNE) zur 2. Aktuellen Debatte auf Antrag der Fraktion LINKE „Sicherung des Lehrkräftebedarfs ist auch Wirtschaftsförderung − Lehramtsausbildung an der TU Chemnitz stärken!“
53. Sitzung des Sächsischen Landtags, 12. April, TOP 1
– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn es um Lehramtsausbildung geht, gilt bei Sachsen Regierung seit Jahrzehnten das Motto ‚rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln‘ – ein Hin und Her zulasten aller Beteiligten.

Nehmen Sie das Lehramtsstudium. Zunächst gab es das klassische Staatsexamen, dann ein Bachelor/Master-System mit gleichen Ausbildungslängen. Wenige Jahre später dann plötzlich wieder Staatsexamen mit unterschiedlichen Ausbildungslängen – alles innerhalb von nur fünf Jahren.
Oder nehmen sie die lehramtsausbildenden Universitäten: erst war die TU Chemnitz dabei, dann wurde die Ausbildung eingestellt, dann 2013/2014 wieder eingerichtet.

Dabei folgen Sie immer demselben Muster: zu wenig zu spät.

Das Grundschullehramt an der TU Chemnitz ist wieder eingeführt wurden, weil der Mangel an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern in der Region nicht mehr zu leugnen war und Grundschullehrer/innen erwiesenermaßen am ehesten in der Region ihrer Ausbildung bleiben. Das hatten wir GRÜNE bereits seit Jahren gefordert.
Aber statt es richtig zu machen, wieder nur ein halbgarer Kompromiss. In diesem Fall: ein Verfallsdatum für die Lehramtsausbildung.
Ab 2024 soll die Universität das Personal in ihren eigenen Stellenplan übernehmen oder rauswerfen. Das ist übrigens der selbe Stellenplan, der bis zum Jahr 2016 eine Kürzungsrunde nach der anderen verkraften musste – und zwar sowohl unter der CDU/FDP-Koalition, als auch unter der CDU/SPD-Koalition. Da gibt es schlicht keinen Spielraum für die Universität, wenn andere Fächer nicht leiden sollen.

Sogar im Hochschulentwicklungsplan bis 2025 steht, dass die Lehramtskapazitäten zeitlich befristet sind, obwohl die Lehrerbedarfsprognose der Staatsregierung auch für 2030 noch 1.120 Lehrerneueinstellungen vorsieht.
Die Folgen kann sich jeder ausmalen, befristete Professuren, befristete Mitarbeiterverträge – selbst wenn sie da jemanden finden, ist er oder sie sofort wieder weg, sobald es ein besseres Angebot gibt. Die Leidtragenden sind die Studierenden.

Deshalb sagen wir GRÜNE es ganz deutlich. Die Lehramtsausbildung in Chemnitz muss endlich verstetigt werden. Die Stellen müssen in den sächsischen Haushalt und die zeitliche Befristung muss aus dem Hochschulentwicklungsplan ersatzlos gestrichen werden! Die TU Chemnitz braucht Planungssicherheit.
Das gleiche gilt natürlich auch für den Fall eines Oberschullehramtes in Chemnitz, auch hier wird sachsenweit deutlich unter Bedarf studiert. Da ist der Freistaat in der Verantwortung für verlässliche Rahmenbedingungen zu sorgen – nicht die Universität und auch nicht die Wirtschaft. Lehramtsausbildung ist Daseinsvorsorge!

Und zum Stichwort Berufsschulausbildung. Tatsache ist: Auch hier reichen die Studierendenzahlen bei Weitem nicht aus. Frau Staatsministerin, da ist es einfach zu wenig, wenn sie in der Freien Presse verkünden, dass bei der Ausbildung von Berufsschullehrern die vorhandenen Kapazitäten in Dresden nicht ausgereizt werden. Wir GRÜNE erwarten, dass Sie als Wissenschaftsministerin ein Interesse daran haben, genau hinzuschauen, was da schief läuft und Vorschläge machen, wie dieser Zustand geändert werden kann.

Zur Wahrheit gehört aber auch: wir können Studienplätze aufstocken, wie wir wollen. Wenn dann die Rahmenbedingungen nicht passen, haben wir nichts gekonnt, weil die Studierenden entweder abbrechen oder nach dem Studium das Land verlassen.

Wir GRÜNEN fordern deshalb:

  • Eine umfassende Evaluierung des Lehramtsstudiums und der Rahmenbedingungen,
  • Ein Ende des staatlich verordneten Hin und Her durch ein Lehrerbildungsgesetz,
  • Gleiche Ausbildungslängen und gleiche Bezahlung für alle Lehrämter.

Nachdem die Wissenschaftsministerin über Wochen bei der Lehramtsausbildung in Chemnitz gemauert hat, hat sich am Wochenende der Staatskanzleichef Dr. Jaeckel eingeschalter. Ich hoffe, er hat sich damit nicht nur den regionalen Applaus bei der IHK abgeholt. Ich erwarte, dass diese Gespräche für Chemnitz die lang erhoffte Klarheit bringen.

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