Atomenergie in der Sackgasse

Dresden. Auf schreckliche Art und Weise wird der Menschheit derzeit vor Augen geführt: Die Risikotechnologie Atomkraft ist nicht beherrschbar. Die Landesvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen, Claudia Maicher und Volkmar Zschocke, mahnen konsequente Entscheidungen in Sachsen zur raschen Beendigung der Atomstromnutzung an. Der GRÜNEN-Landesvorstand hat dazu in dieser Woche einen Beschluss mit Forderungen an Land und Kommunen gefasst.

„Die Zeit des Zögerns und Verschleppen ist endgültig vorbei. Die Koalition muss die Option auf Atomkraft bei der sächsischen Energieversorgung jetzt aufgeben und beim Ausbau der Erneuerbaren Energien den Fuß von der Bremse nehmen!“, erklärt Volkmar Zschocke.

Im Energieprogramm der Staatsregierung wird die Kernenergienutzung als technologische Variante für die Zukunft nach wie vor offen gehalten. Vertreter der Regierungskoalition bringen regelmäßig den Neubau eines AKW in Sachsen in die Debatte. Doch auch ohne AKW-Neubau ist Sachsen durch nahe AKW in Bayern und Tschechien gefährlich betroffen: „Die Sicherheitsfragen der geplanten zwei neuen Reaktorblöcke im tschechischen Temelin sind völlig ungeklärt. Im nicht einmal 200 Kilometer von der sächsischen Grenze entfernten AKW kommt es wieder zu Störfällen. Was muss noch alles passieren, bis Herr Tillich aufwacht und endlich bei der tschechischen Regierung gegen die Erweiterungspläne interveniert?“, fragt der GRÜNEN-Vorsitzende.

Nach Auffassung der GRÜNEN kann Sachsen noch viel mehr tun, um den Atomausstieg zu beschleunigen: „Wir fordern die sächsische Staatsregierung auf, dafür zu sorgen, in allen Einrichtungen und Unternehmen des Freistaates den Strombedarf schnellstmöglich ohne Atomstrom abzudecken und die Stromlieferverträge entsprechend anzupassen.“

Das Gleiche gelte auch für die Kommunen, die regionalen Energieversorger und Stadtwerke: „Wenn jetzt auf allen Ebenen in Sachsen der Atomstromanteil rasch durch regenerativen Strom ersetzt wird, ist das ein entscheidender Beitrag hin zu einer sicheren und zukünftig noch bezahlbaren Energieversorgung – ohne permanente Katastrophengefahr.“, so Zschocke.

In Sachsen verzichtet keiner der regionalen Versorger auf Atomstrom. Das geht aus einer Übersicht der GRÜNEN hervor. Die Stadtwerke Oelsnitz/Vogtland sind dabei Spitzenreiter in Sachsen und speisen nach eigenen Angaben sogar 28,9 Prozent Kernenergie in ihr Netz ein. Ähnlich hoch liegen die Werte bei den Stadtwerken von Schkeuditz und Olbernhau. Spitzenreiter beim Einsatz erneuerbarer Energien sind nach den Angaben die Stadtwerke Meerane mit fast 44 Prozent Strom aus regenerativen Quellen.

GRÜNEN-Vorsitzende Claudia Maicher betont auch die Möglichkeit privat aus der Atomenergie auszusteigen: „Jede und Jeder kann den Atomausstieg auch gleich selbst in die Hand nehmen. Der Wechsel des Tarifes oder des Stromanbieters ist einfacher als viele denken. Und der sogenannte Ökostrom ist bezahlbar und kein Luxus für Besserverdienende.“

Am kommenden Montag, 18 Uhr, finden an vielen Orten Sachsens erneut Mahnwachen zu den Ereignissen in Japan statt. Für den 26. März sind – unter anderem in Berlin – Großdemonstrationen gegen Atomkraft geplant.

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Hintergründe:

Eine Übersicht zur Energieherkunft und Anteilseigener regionaler Versorger in Sachsen gibt es hier. Beschluss des Landesvorstandes vom 16. März 2011 hier.
Energieversorger ohne Atomstrom hier.

Pressemitteilung 2011-10
Datum: 18.03.2011
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband Sachsen

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