IUVENTA – Jugend rettet: Kriminalsierung der Seenotrettung im Mittelmeer

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2019 habe ich am Mittwoch, 20. März 2019 in meinem Abgeordnetenbüro GRÜNER Raum am Kanal den Film „IUVENTA – Seenotrettung – Ein Akt der Menschlichkeit“ gezeigt.

Mit Interesse und Betroffenheit haben wir an diesem Abend die Geschichte der Organisation JUGEND RETTET verfolgt. Eine Gruppe junger engagierter Menschen gründet im Herbst 2015 in Berlin die Initiative Jugend Rettet e.V.. Über eine Crowdfunding-Kampagne kaufen sie einen umgebauten Fischkutter und taufen ihn auf den Namen „Iuventa“, italienisch für Jugend. Im darauffolgenden Jahr startet ihr Schiff zu seiner ersten Mission der Seenotrettung im Mittelmeer und schließt sich den Schiffen verschiedener NGOs, der italienischen Küstenwache sowie der Marine an.

Nach fast zwei Jahren Einsatz und ca. 14.000 auf hoher See geretteter Menschen wurde im August 2017 das Schiff plötzlich beschlagnahmt und von den italienischen Behörden in Sizilien festgesetzt. Seitdem kursiert u.a. der Vorwurf der Kooperation mit Schlepperbanden. Eine Anklage ist bis heute nicht erfolgt, wird aber für das zweite Halbjahr 2019 erwartet.

Die bewegende Geschichte wurde von Regisseur Michele Cinque festgehalten. Über ein Jahr lang verfolgt der Film das Leben der jungen Protagonist*innen, fängt die gesamte Spanne der Mission ein, beginnend mit dem Moment, in dem sie in See stechen und ihr unglaubliches Vorhaben wahr wird, bis zu dem Punkt, an dem dieser mit der politischen Realität kollidiert und die Iuventa beschlagnahmt wird.

Im Anschluss an den Film konnten wir mit Crewmitgliedern der Iuventa über Seenotrettung im Mittelmeer, deren aktuelle Probleme sowie die Flüchtendensituation insgesamt sprechen. Die Tatsache, dass Seenothilfe als ein Akt humanitärer Nothilfe mittlerweile konsequent kriminalisiert wird, hat das Publikum stark beschäftigt. Wir haben die Frage diskutiert, ob die Berichterstattung über die Seenotrettung im Mittelmeer den Rassismus in Europa befördert hat und ob umgekehrt der politisch erstarkende Rassismus in Europa zur aktuellen Kriminalisierung von Seenotrettung geführt hat.

Bei ‚Solidarity at Sea‚ haben sich die 10 angeklagten Mitglieder der Iuventa-Crew, 3 Kapitän*innen, 2 Einsatzleier*inne, 5 Rettungskräfte, organisiert. Sie erwartet ein Gerichtsverfahren in Italien, was sich 3-4 Jahre hinziehen und vermutlich 500.000 € Gerichtskosten produzieren wird. Es wird eine Anklage nach dem italienischen Antimafia-Gesetz erwartet, womit Seevölkerrecht als auch Genfer Konventionen umgangen werden. Als Strafmaß stehen bis zum 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 15.000 € pro ‚illegalem‘ Einwanderer im Raum. Die Crew hat jedoch stets internationales und maritimes Recht strikt beachtet und den Anweisungen der Rettungskoordinationsstelle in Rom (MRCC) folge geleistet.

‚Solidarity at Sea‘ engagiert sich für die angeklagten Crewmitglieder und setzt sich dafür ein, dass Seenotrettung auf dem Mittelmeer endlich wieder stattfindet.

 

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