Chancengleichheit in Kunst und Kultur: Vielseitige Anregungen im Chemnitzer Fachgespräch

Im Fachgespräch „Chancengleichheit in Kunst und Kultur“, zu dem ich am vergangenen Samstag im Namen der GRÜNEN-Landtagsfraktion in das Chemnitzer Gründerzentrum am Brühl geladen hatte, konnte ich mit meinen Gesprächspartnerinnen aus verschiedenen Kulturbranchen und -einrichtungen der Stadt die Situation von Frauen in Kunst und Kultur diskutieren. Ich habe mich sehr über die engagierte, lebhafte und konstruktive Debatte gefreut und nehme viele Anregungen aus dem Gespräch mit.

Eingangs berichtete ich vom Zwischenstand der bisherigen Initiativen meiner Fraktion zum Thema. So gibt es nach wie vor Einkommensunterschiede und eine Reihe struktureller Benachteiligungen, denen wir als GRÜNEN-Fraktion mit realitätsnahen Instrumenten der Frauenförderung und Gleichstellung begegnen und die wir bewusst im Austausch mit Praktikerinnen entwickeln.

Sonja Näder, Vorstandsmitglied des Chemnitzer Künstlerbund e. V., sprach sich für höhere Frauenanteile in den Jurys und Gremien der Kulturförderung aus, weil damit die Situation von Künstlerinnen stärker berücksichtigt würde. Zudem schilderte sie die Einschränkungen für Künstlerinnen mit Kind bei der Berufsausübung.

Die Probleme der Vereinbarkeit von Kulturberufen mit Kind und Familie waren auch für Gundula Hoffmann, Direktorin des Figurentheaters des Theater Chemnitz, eine Schlüsselfrage. So sei es schwierig, wenn die organisatorischen Herausforderungen nach Rückkehr aus der Elternzeit in den Kulturbetrieben nicht selbstverständlich mitgedacht werden.

Die Direktorin der Stadtbibliothek Chemnitz, Elke Beer, bestätigte, das Frauen im Bibliotheksbereich sehr gut auf Leitungsebene vertreten sind. Das sei im Vergleich zu anderen Kulturbereichen eine Ausnahme. Sie berichtete aus der Perspektive ihrer Leitungsfunktion von der Problematik, dass viele kompetente und erfolgreiche Frauen aufgrund der schweren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch aufgrund des immer noch überwiegenden klassischen Rollenverständnisses von Frauen und Männern für lange Zeit ihren Beruf ruhen lassen. Das sei auch für die Einrichtungen ein Nachteil.

Nancy Gibson, Leiterin der Städtischen Musikschule Chemnitz, griff dies auf, und berichtete davon, dass viele leistungsfähige Frauen erst überredet werden müssten, leitende Funktionen aufzunehmen, weil sie dies nicht für machbar halten, wenn sie nicht vollen Einsatz zeigen zu können. Sie plädierte dafür, dass auch bei Bewerbungsgesprächen die Möglichkeiten von Elternzeit und die Bedingungen für Eltern bei der Berufsausübung zum Thema gemacht werden sollten.

Mit den weiteren Gästen wurde schließlich die Notwendigkeit und praktische Umsetzung von Quotenregulierungen diskutiert sowie der Bedarf an Beratung und Vernetzung auch für Personen auf Leitungsebene, die über Einstellungen und Personalentwicklung entscheiden.

GRÜNES Positionspapier „Chancengleichheit von Frauen und Männern im Kulturbereich“

Bericht des Dresdner Fachgesprächs „Gleiche Chancen überall?“ – Frauen in Kunst und Kultur

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