Fachgespräch „Auseinandersetzung mit den Ereignissen in der Reichspogromnacht in der sächsischen Bildungslandschaft“

Am 05. Februar 2019 habe ich als kulturpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag gemeinsam mit Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin zum Fachgespräch „Auseinandersetzung mit den Ereignissen in der Reichspogromnacht in der sächsischen Bildungslandschaft“ in den Landtag eingeladen.

Zeitzeugen der Shoa können, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr über die damaligen Verbrechen berichten. Dennoch soll Geschichte weiter erfahrbar gemacht werden. Allen eingeladenen Vereinen und Initiativen ist es daher bei ihrer Arbeit wichtig, dass bei der Vermittlung von jüdischer Geschichte und Kultur immer die persönliche Ebene angesprochen werden muss.

Entscheidend ist es, Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen und somit Geschichte erlebbar zu machen sowie Empathie zu erzeugen. Ritualisiertes Gedenken bzw. ritualisierte Erinnerungskultur ermöglicht kaum Empathiefähigkeit. So kann keine Trauer um Menschen vermittelt werden. Und nicht zuletzt wird das Kennenlernen von jüdischen Deutschen als ‚ganz normale Sterbliche‘ beinahe unmöglich gemacht.
Um den Schülerinnen und Schülern die jüdische Geschichte und Kultur heute vermitteln zu können, bedarf es eines Schulwesens, das offen für außerschulische Institutionen ist. Derzeit ist im Lehrplan kein Platz dafür. Allein das Engagement von einzelnen Lehrerinnen und Lehrern macht es möglich, jüdische Geschichte und Kultur fernab vom Faktenwissen des Geschichtsunterrichts kennenzulernen. Die Sächsische Staatsregierung betont stets, dass es mehr politische Bildung geben soll. Sie bietet Lehrerinnen und Lehrern dafür aber weder Zeit noch Raum.

Kritisch angesprochen wurde, dass in der Lehreraus- und -weiterbildung die religionssensible Bildung vernachlässigt wird. Das Thema Religion wird sehr abstrakt vermittelt. Bei der begrenzten Stundenzahl für die Lehrerfortbildung geht das Thema religionssensible Bildung schlicht unter. Dieses Manko spiegelt sich wiederum im Unterricht an den Schulen wider. Dabei umfasst Bildung doch nicht nur Anhäufung von Wissen, sondern auch Charakterbildung.

Gute und kontinuierliche Bildungsarbeit bedarf nicht nur engagierte Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch eine verlässliche Finanzierung. Die aktuelle Förderpolitik finanziert Projekte oft maximal nur bis zu zwei Jahren und verhindert so eine wiederholte Beantragung von Fördermitteln für dieselben Projekte. Und dies trotz der drohenden Konsequenz, dass erfolgreiche Projektarbeit nicht fortgesetzt werden kann. Vor allem für die schulische Bildungsarbeit ist dies sehr hinderlich, denn die Kooperationen müssen für Schulen verlässlich und dauerhaft sein. Des Weiteren wurde die fehlende Möglichkeit einer Fördermittelberatung, wie es sie etwa in Hamburg gibt, bemängelt.

Zuletzt wurde der Wunsch nach Vernetzung auf Landesebene laut. Diese solle entweder vom Staatsministerium für Kultus oder vom künftigen Landesbeauftragten für Antisemitismus initiiert werden.

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