DDR-Untergrundverlag „radix“ – Zeitzeugengespräch mit Gründer Stephan Bickhardt

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Friedlichen Revolution im Jahr 1989 habe ich am Dienstagabend mit Stephan Bickhardt und unseren Gästen über die Bedeutung von Demokratie, Wahlen, Kunstfreiheit, Wissenschaftsfreiheit, Zensur und Opposition früher und heute gesprochen.

Stephan Bickhardt, heute als Polizeipfarrer tätig, betrieb zwischen 1985 und 1990 den von der Stasi unentdeckten Untergrundverlag ‚radix‘. Die Zeitschrift „radix-blätter“ fungierte als ein Debattenforum der DDR-Opposition. 136 Autor*innen schrieben – nicht anonym, sondern unter ihrem Namen – in den „radix-blättern“ über Themen, deren Diskussion in der DDR-Öffentlichkeit tabu waren: Der Wert von Demokratie, Ausländerfeindlichkeit, das Verhältnis der Deutschen zu Osteuropa, die Mauern im Kopf, die Strukturen von Macht, Herrschaft und Gewalt uvm. Ziel der Autor*innen war die Demokratisierung der Gesellschaft, die Durchsetzung der Menschenrechte und das Ende der führenden Rolle der SED. Über mehrere Jahre erschienen die“radix-blätter“, die mit illegal beschafften Druckmaschinen und Papier in einer Kammer hinter dem elterlichen Schlafzimmer der Familie Bickhardt in Ostberlin produziert wurde.

Nach einer kurzen Lesung aus Peter Wensierskis neuem Buch ‚Fenster zur Freiheit. Die radix-blätter. Untergrundverlag und -druckerei in der DDR-Opposition‘ sprach ich mit Stephan Bickhardt und dem Publikum u.a. darüber, wie mit dem Untergrundverlag ‚radix‘ der Opposition in der DDR die Auseinandersetzung und der Austausch über problematische Abgrenzungen, Internationalität und Frieden zwischen verschiedenen Gruppen gelingen konnte. Wir waren uns einig, dass Bündnisse heute notwendiger denn je sind, um aktuelle Herausforderungen zu meistern. Sehr zu empfehlen das Buch von Peter Wensierski ‚Fenster zur Freiheit. Die radix-blätter. Untergrundverlag und -druckerei in der DDR-Opposition‘.

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