Aufbau der Gedenkstätte KZ Sachsenburg ist Chance für Frankenberg und für Sachsen

Pressemitteilung 2017/185

Dresden. Nach ihrem Treffen mit Engagierten für den Aufbau der Gedenkstätte KZ Sachsenburg am Mittwoch, den 16.08. in Frankenberg, erklärt Dr. Claudia Maicher, kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Es wird Zeit, dass alle Hebel für die Errichtung einer Gedenkstätte in Bewegung gesetzt werden. Nach dem intensiven Austausch mit Anna Schüller von der Initiative Klick und Vertreterinnen und Vertretern der LAG KZ Sachsenburg bin ich überzeugt, dass in dem historischen Ort großes Potenzial steckt.“

„Dem Hinweis von Kunstministerin Eva-Maria Stange ist zuzustimmen, dass die Gedenkstätte von unten nach oben wachsen müsse. Aufseiten der Engagierten ist dies jedoch bereits erfüllt. Die wissenschaftliche Erforschung und konzeptionelle Überlegungen sind weit gediehen. LAG und Initiative stehen in den Startlöchern den entscheidenden Schritt tatkräftig zu unterstützen.“
„Wenn jetzt sowohl die Stadt Frankenberg als auch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ihre Chancen nutzen, erhalten sie bald ein modernes Zentrum für historisch-politische Bildung, das für einen selbstbewussten und offenen Umgang mit der eigenen Geschichte steht und viele Interessierte anziehen wird. Die Enkel der Opfer wie auch der Täter klopfen jetzt schon an die Tür.“

„Gerade in einer Zeit, in der nationalistisch-völkische Bewegungen eine Kehrtwende der Erinnerungspolitik herbeiführen wollen, steht der Erfolg dieser Gedenkstätte auch für eine Bestärkung des erinnerungspolitischen Konsens der demokratischen Kräfte in Sachsen.“

„Die Stadt Frankenberg sollte die Aufgabe nicht länger vor sich her schieben und zum Türöffner für die Engagierten werden. Das fängt schon im wortwörtlichen Sinne bei den Vorarbeiten an, etwa bei der aktiven Begleitung der Fotodokumentation der Kommandanten-Villa in der nächsten Woche. Bislang ist noch nicht einmal der Zutritt genehmigt worden.“ Maicher hofft darauf, dass der geplante Abriss der Villa endgültig vom Tisch kommt, „denn dieses Gebäude ist ein wesentlicher Teil des Ensembles des ehemaligen Lagers. Es steht wie kein zweites für die Erfindung des KZ-Wesens und hat damit eine wichtige überregionale Bedeutung.“

Mit Blick auf die im nächsten Jahr bevorstehenden Beratungen für den Staatshaushalt erwartet Maicher von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, „dass sie alle Beteiligten an einen Tisch holt und mit ihnen einen konkreten Fahrplan bis zum regulären Betrieb der Gedenkstätte erstellt. Ich halte es nach Lage der Dinge für möglich, dass ab dem Jahr 2019, spätestens ab 2020 eine institutionelle Förderung greifen kann. Dafür muss die Stiftung ihren Bedarf beim Freistaat anmelden, so dass der Landtag über eine Aufstockung beraten kann. Diese aktive Planung und die Moderation in Sachsenburg ist keine Gefälligkeit der Stiftung, sondern folgt aus dem 2012 geänderten Stiftungsgesetz.“

Hintergrund des Besuchs:
Die Gedenkstättenarbeit ins Sachsen steht vor Herausforderungen wie der Entwicklung von Lernorten für historisch-politische Bildung, der verstärkten Einbindung bürgerschaftlichen Engagements und dem gesellschaftlichen Generationswechsel. Um die zeitgemäße Aufgabenerfüllung und die Weiterentwicklung von Orten, Themen und Formen des Gedenkens bestmöglich zu unterstützen, ist die Stiftung Sächsische Gedenkstätten als zentrales Förderinstrument auf eine fachlich begründete Konzeption angewiesen. Die Stiftung im Verantwortungsbereich von Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange ist jedoch diesbezüglich seit 2009 keinen Schritt weiter gekommen. Deshalb setzt sich die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit einem Antrag (Drs. 6/9610) und begleitenden Fachdiskussionen dafür ein, dass die Staatsregierung und die Stiftung den notwendigen Prozess wieder in Gang bringen.
Um auch die Anforderungen der Initiativen und Einrichtungen vor Ort an die künftige Förderung der Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur in Sachsen in die Debatte aufzunehmen, besucht Claudia Maicher derzeit verschiedene Orte des Erinnerns und kommt mit den Engagierten ins Gespräch.

Antrag „Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur in Sachsen weiterentwickeln“ (Drs. 6/9610):
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=9610&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=0&dok_id=undefined

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