100 Jahre Frauentag: Mehr als Blumen für die Damen

100 Jahre Frauentag

Dieses Jahr hat der Frauentag 100. Geburtstag. Es hat sich viel geändert in einhundert Jahren – die Welt ist schneller, vieles komfortabler und spektakulärer geworden. Auch bei der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist viel passiert. Aber es gibt noch mehr zu tun. Die Themen haben sich nicht überholt. Frauen können zwar auf alle Positionen, aber sie sind noch lange nicht mit gleicher Beteiligung dort angekommen – weder in Wissenschaft, Politik und öffentlichen Verwaltung, noch in den Unternehmensführungen. Nur im Bereich der Familienarbeit und Kindererziehung sind Frauen überrepräsentiert – da fehlen die Männer.

So nahmen 2009 zwar 30,3 % der Männer in Sachsen eine Auszeit für die Familie – Sachsen liegt damit im bundesdeutschen Vergleich auf Platz eins – aber diese Auszeit besteht meist nur aus den bezahlten zwei Vätermonaten beim Elterngeld. Das bedeutet die meisten Väter in Sachsen, die Elterngeld beziehen bleiben lediglich die zusätzlichen 8 Wochen mit ihren Kindern und oft parallel zur Erziehungszeit der Mutter zu Hause. Ungleichheiten im Verdienst zwischen den Geschlechtern führen dazu, dass immer noch mehr Frauen viel länger Elternzeit in Anspruch nehmen und auch danach mehr Zeit für die unbezahlte Familienarbeit, Pflege von Kindern und Eltern aufbringen. Damit wird die klassische Rollenverteilung in Familie und Beruf erneut zementiert. Wir brauchen nicht nur eine faire Entlohnung, und gleiche Aufstiegschancen, sondern eine Arbeitswelt, die auch Vätern erlaubt mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Denn eines sieht man im  internationalen Vergleich wie zum Beispiel in Norwegen: familienfreundliche Arbeitszeiten für Frauen und Männer, eine gerechte Verteilung von Arbeit und Führungspositionen ist möglich und schafft mehr Gleichberechtigung. Die Angestellten von familienfreundlichen Unternehmen sind weitaus motivierter und fehlen weniger – das zeigen verschieden Studien. Das hat positive Effekte für die Wirtschaft!

Auch in der sächsischen Wissenschaft sind Frauen, je höher die Karrierestufe ist, deutlich unterrepräsentiert. Nur 16 % der Professuren an unseren Universitäten und Hochschulen sind mit Frauen besetzt. Sie sind dementsprechend selten in Berufungs- und Promotionskommissionen sowie Prüfungsausschüssen vertreten. Die Entscheidungen dieser Gremien bestimmen über die wissenschaftliche Laufbahn der Studentinnen, die einen Anteil von 46 % der sächsischen Studierenden ausmacht. Die geringe Zahl von Professorinnen muss geändert werden z.B. indem jede zweite neue Professur bis 2020 mit einer Frau besetzt wird. Verbindliche Frauenquoten sind die richtige Konsequenz aus dem Scheitern freiwilliger Zusagen.

Im Bereich der politischen Beteiligung zeigt sich ganz deutlich: In Sachsen liegt die Macht in Männerhand! Im gesamten sächsischen Landtag sitzen nur 40 weibliche Abgeordnete 92 männlichen Kollegen gegenüber. Die Staatsregierung leistet sich gerade einmal zwei Ministerinnen gegenüber sieben Ministern und einem Ministerpräsidenten. In den einzelnen Kreistagen liegt der Anteil der Frauen, die politische Entscheidungen treffen insgesamt bei 19 %. In manchen Kreistagen sind nur gut 11 % Frauen vertreten. Dort entscheiden zu 90 % Männer über den Alltag der Frauen, über Kitaplätze, Führungspersonal, Haushalt und Verkehrsinfrastruktur!

Und auch in der Wirtschaft muss sich einiges ändern. Laut einer deutschlandweiten Studie sitzen in den 200 umsatzstärksten, privaten Unternehmen nur 1,8% Frauen in den Vorständen. In den Aufsichtsräten und ähnlichen Gremien dieser 200 Unternehmen liegt der Frauenanteil auch nur bei 8,6%. Und unter den 68 Vorstandsposten der zehn umsatzstärksten Unternehmen findet sich keine einzige Frau. Nach Angaben des statistischen Landesamtes haben Frauen 25 Prozent der Führungspositionen in Sachsen inne. Diese Zahl gründet sich vor allem auf den Bereich der öffentlichen und privaten Dienstleistungen. In der ersten Führungsebene und im Produzierenden Gewerbe sind immer noch Männer unter sich.

Das zu ändern, dafür braucht es GRÜN! Denn grüne Frauenpolitik zielt auf die Gleichberechtigung in allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Das ist nicht nur eine Frage der Demokratie und Gerechtigkeit, sondern für die Entwicklung in Sachsen auch ökonomisch absolut vernünftig und notwendig.
100 Jahre Frauentag ein guter Tag über Erreichtes nachzudenken, aber eine noch bessere Gelegenheit Neues anzupacken. Es gibt noch viel zu tun!

Mehr zu GRÜNER Frauenpolitik in Sachsen gibt es hier.
Meilensteine der Frauenbewegung finden sich hier.

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